Im Jahr 2014 formulierte der galicische Regisseur Borja Brun ein künstlerisches Manifest, das mit den Konventionen des Kinos brach: „Diet of Sex entstand aus dem Wunsch, die Membran zwischen explizitem Sex und erzählendem Autorenkino aufzubrechen – fernab rein mechanischer Fleischbeschau, hin zu einer echten, zärtlichen und berührenden Beziehungsgeschichte“. Mehr als ein Jahrzehnt später ist dieses Werk zu einem unnachahmlichen Kultfilm des europäischen Independent-Kinos gereift.
I. Die Entstehung des Drehbuchs: Anhedonie als unsichtbare Mauer
Die Grundidee des Films, von Regisseur Borja Brun entworfen und gemeinsam mit Drehbuchautor Miguel Ángel Blanco ausgearbeitet, entsprang einer faszinierenden psychologischen Frage: Wie erlebt eine Frau Intimität, wenn sie an Anhedonie leidet – jener seelischen Blockade, die jede Fähigkeit zu körperlicher Lust und emotionaler Resonanz betäubt?
Ágata, intensiv und feinfühlig gespielt von Raquel Martínez, ist keineswegs ein passives Opfer. Sie ist eine moderne, aufgeschlossene Frau mit vielen vergangenen Affären – doch jede Begegnung scheiterte an ihrer inneren Taubheit. In seinen Regienotizen hielt Brun fest:
„Wir wollten eine echte weibliche Hauptfigur im Zentrum. Keine Nebenrolle, die von einem dominanten Mann an die Wand gespielt wird. Ágata spiegelt die Sehnsucht vieler Frauen wider, die sich durch Beziehungsalltag, Hektik und mangelnde Achtsamkeit von ihrer eigenen Lust entfremdet haben.“ — Borja Brun
II. Sinnliche Kulinarik: Die Küche als Gegenentwurf
Als Ágata auf Marc (Marc Rodríguez) trifft, verweigert die Geschichte gängige Klischees. Marc reagiert weder gekränkt noch fordernd; er verlegt das Werben um ihr Vertrauen kurzerhand vom Schlafzimmer an den Herd.
Ein bemerkenswerter Gedanke des Films ist die Demaskierung vermeintlich magischer Aphrodisiaka. Echte Lust entsteht nicht durch Wundergewürze, sondern durch den gemeinsamen Akt: Sich Zeit nehmen, Teig mit den Fingern kneten, Soßen mit geschlossenen Augen kosten und herzhaft über Küchenkatastrophen lachen. Erst als der Leistungsdruck weicht, kann Ágatas Körper loslassen.
III. Handwerkliche Meisterschaft: Kostüm, Maske und Requisite
Gedreht im galicischen Küstenort Cangas (O Morrazo), zeichnet sich der Film durch eine visuelle Detailverliebtheit aus, die im Erotikgenre ihresgleichen sucht:
- Das Kostüm als Zwiebelmetapher: Zu Beginn trägt Ágata steife, einfarbige Kleidung wie eine Rüstung. Mit fortschreitender Handlung weichen diese Schichten hellen Pastelltönen und lebendigen Farben, bis sie sich Schicht für Schicht befreit.
- Die Befreiung der Frisur: Vom streng zusammengebundenen Haarknoten wandelt sich ihre Mähne zu lockeren, sonnendurchfluteten Wellen – gestylt von Friseurmeisterin Lydia.
- Maßgefertigte Requisiten: Sämtliche Schalen und Teekannen wurden von Handwerkern angefertigt. Für die berühmte Cupcake-Szene entstand ein Holz-Modellierwerkzeug mit mikrofein abgerundeten Kanten für die sinnliche Berührung vor der Kamera.
- Die Herausforderung der „Kamera Z“: Beim Dreh der Duschszene musste die Wassertemperatur exakt austariert werden, damit die Schauspieler nicht froren, aber auch kein Dampf die Kameralinsen beschlug.
IV. Die Freiheit der zwei Fassungen: Soft und Hard
Um jedem Zuschauer das perfekte Erlebnis zu bieten, existieren zwei eigenständige Fassungen in bestechender 1080p-Qualität:
Die Soft-Fassung verführt als charmante, lebensfrohe Romantikkomödie ohne explizite Szenen. Die Hard-Fassung zeigt die unzensierte Autorenversion mit echtem Sex in all seiner natürlichen, intimen Wahrhaftigkeit.
Gewinner der renommierten Auszeichnung „Best Sex Scenes“ beim PollyGrind Film Festival Las Vegas (als einziger spanischer Beitrag im Wettbewerb) und Offizielle Auswahl beim 9. Porn Film Festival Berlin.